Forschung & Wissenschaft
Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit von MBSR und Achtsamkeit
Seit der Entwicklung von MBSR durch Prof. Jon Kabat-Zinn im Jahr 1979 wurden tausende wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Achtsamkeitsmeditation durchgeführt. Die Forschungsergebnisse sind beeindruckend und zeigen messbare positive Veränderungen auf körperlicher, psychischer und neurologischer Ebene.
Nachgewiesene Wirkungen von MBSR
Gehirnstruktur
Studien zeigen messbare Veränderungen in Hirnregionen, die für Aufmerksamkeit, Emotionsregulation und Selbstwahrnehmung zuständig sind.
Herz-Kreislauf
Regelmäßige Achtsamkeitspraxis kann den Blutdruck senken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.
Immunsystem
MBSR-Teilnehmer zeigen eine verbesserte Immunfunktion und schnellere Erholung nach Erkrankungen.
Wichtige Forschungsergebnisse
Stressreduktion
Eine Meta-Analyse von Khoury et al. (2015) wertete 29 Studien mit 2.668 Teilnehmenden aus und stellte für MBSR große Effektstärken bei der Stressreduktion in nicht-klinischen Populationen fest (Hedge's g = 0,55).[1]
Angst und Depression
Die im JAMA Internal Medicine veröffentlichte Meta-Analyse von Goyal et al. (2014) wertete 47 Studien mit über 3.500 Teilnehmenden aus und zeigte, dass Achtsamkeits-Meditation Angst- und Depressionssymptome moderat reduziert – mit Effektstärken vergleichbar denen anderer evidenzbasierter Therapien.[2] Bei der Rückfallprävention von Depressionen zeigt Achtsamkeitsbasierte Kognitive Therapie (MBCT) laut der Patientendaten-Meta-Analyse von Kuyken et al. (2016) vergleichbare Wirksamkeit wie Erhaltungstherapie mit Antidepressiva.[3]
Chronische Schmerzen
Die Ursprungsforschung von Jon Kabat-Zinn (1982) mit 51 chronischen Schmerzpatient*innen, die auf herkömmliche medizinische Behandlung nicht angesprochen hatten, zeigte: Nach einem 10-Wochen-MBSR-Programm berichteten 65 % der Teilnehmenden eine Schmerzreduktion von mindestens einem Drittel, 50 % sogar um die Hälfte oder mehr.[4]
Neurowissenschaftliche Erkenntnisse
Die Studie von Britta Hölzel und Kollegen am Massachusetts General Hospital / Harvard Medical School (2011) wies mit MRT-Aufnahmen nach, dass bereits acht Wochen MBSR-Praxis messbare strukturelle Veränderungen im Gehirn bewirken: Die Dichte der grauen Substanz nahm im Hippocampus (Lernen, Gedächtnis), in Bereichen für Selbstwahrnehmung sowie für Emotionsregulation zu.[5]
Burnout-Prävention
Die Meta-Analyse von Khoury et al. (2015) belegt für MBSR kleine, aber statistisch signifikante Effekte auf Burnout-Symptome sowie deutlichere Effekte auf die allgemeine Lebensqualität.[1] Die Analyse von Goyal et al. (2014) bestätigt zudem moderate positive Effekte auf das psychische Wohlbefinden.[2]
Schlafqualität
Eine im JAMA Internal Medicine veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie von Black et al. (2015) verglich Achtsamkeitsmeditation mit klassischer Schlafhygiene-Schulung bei älteren Erwachsenen mit Schlafstörungen. Die Achtsamkeitsgruppe zeigte signifikant größere Verbesserungen bei Schlafqualität und Tagesmüdigkeit.[6]
Wissenschaftliche Quellen
- Khoury, B., Sharma, M., Rush, S. E., & Fournier, C. (2015). Mindfulness-based stress reduction for healthy individuals: A meta-analysis. Journal of Psychosomatic Research, 78(6), 519–528. doi:10.1016/j.jpsychores.2015.03.009
- Goyal, M., Singh, S., Sibinga, E. M. S., Gould, N. F., Rowland-Seymour, A., Sharma, R., et al. (2014). Meditation programs for psychological stress and well-being: A systematic review and meta-analysis. JAMA Internal Medicine, 174(3), 357–368. doi:10.1001/jamainternmed.2013.13018
- Kuyken, W., Warren, F. C., Taylor, R. S., Whalley, B., Crane, C., Bondolfi, G., et al. (2016). Efficacy of mindfulness-based cognitive therapy in prevention of depressive relapse: An individual patient data meta-analysis from randomized trials. JAMA Psychiatry, 73(6), 565–574. doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.0076
- Kabat-Zinn, J. (1982). An outpatient program in behavioral medicine for chronic pain patients based on the practice of mindfulness meditation: Theoretical considerations and preliminary results. General Hospital Psychiatry, 4(1), 33–47. doi:10.1016/0163-8343(82)90026-3
- Hölzel, B. K., Carmody, J., Vangel, M., Congleton, C., Yerramsetti, S. M., Gard, T., & Lazar, S. W. (2011). Mindfulness practice leads to increases in regional brain gray matter density. Psychiatry Research: Neuroimaging, 191(1), 36–43. doi:10.1016/j.pscychresns.2010.08.006
- Black, D. S., O'Reilly, G. A., Olmstead, R., Breen, E. C., & Irwin, M. R. (2015). Mindfulness meditation and improvement in sleep quality and daytime impairment among older adults with sleep disturbances: A randomized clinical trial. JAMA Internal Medicine, 175(4), 494–501. doi:10.1001/jamainternmed.2014.8081
Forschungslandschaft
Weltweit beschäftigen sich renommierte Universitäten und Forschungsinstitute mit der wissenschaftlichen Untersuchung von Achtsamkeit und MBSR, darunter:
- University of Massachusetts Medical School – Center for Mindfulness (Gründungsstätte von MBSR)
- Harvard Medical School – Forschung zu Gehirnveränderungen durch Meditation
- Oxford University – Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT)
- Max-Planck-Institut Leipzig – ReSource-Projekt zu Meditation und sozialem Verhalten
- Universität Gießen – Forschung zu MBSR im deutschsprachigen Raum
Weiterführende Informationen
Wenn Sie sich vertiefend mit der Forschung zu MBSR und Achtsamkeit beschäftigen möchten, empfehle ich folgende Anlaufstellen:
- Center for Mindfulness – UMass Medical School
- MBSR-MBCT Verband e.V.
- PubMed – Wissenschaftliche Datenbank (Suchbegriff: „MBSR“ oder „Mindfulness-Based Stress Reduction“)